Tahiti

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Abraxas ist angekommen in Tahiti, allerdings etwas angeschlagen, nachdem ich mir den Alptraum geleistet habe nachts die Insel zu rammen wo ich eigentlich hin wollte. Von Makemo nach Tahanea, nur 50 Meilen und zu wenig für diese langen Tropennächte. Auch würde ich die Schuld gerne auf meinen Wecker schieben, der einfach nicht geklingelt hat, aber es ist passiert, das Horrorszenario welches man sich oft vorstellt und hofft es niemals erleben zu müssen: vom plötzlichen Stillstand des Bootes, hässlichen Knirschgeräuschen und einer scheusslichen Schräglage aufzuwachen und noch im Halbschlaf zu wissen, schit, jetzt ist es passiert… sofort an Deck und kein schöner Anblick, 4 Uhr, zappenduster ohne Mond, Tahanea easy zu Fuß erreichbar und Abraxas liegt mit gerefftem Großsegel bedenklich schepps auf dem Aussenriff…am schlimmsten sind die Geräusche wenn sie mit jeder Welle auf die Felsen kracht, und noch schlimmer das das Ruder zwischen den Korallen blockiert ist. Da dachte ich wirklich kurz, okay das wars dann, aber Adrenalin ist eine feine Droge und verleiht Zauberkräfte. Es ging auf jeden Fall sehr schnell, da war das Großsegel unten, mit der Taschenlampe gecheckt ob der Propeller frei ist, Motor und Vollgas rückwärts, Schuhe an und splitternackt aufs Riff gehupft und wie ein Wahnsinniger im nur knietiefen Wasser versucht Abraxas wieder frei zu kriegen. Mein Glück war nicht nur mein kleines und relativ leichtes Boot, sondern auch das nicht viel Wind und dementsprechend kleine Wellen waren. Immerhin waren mindestens zwei Wellen groß genug das das Ruder aus den Felsen frei kam, Abraxas sich aufrichtete und anfing rückwärts aus ihrem Schlamassel zu röhren, während ich auf meinem Riff wie blöde weiterschob bis der Bug an mir vorbeikam, da bin ich dann schnell aufgesprungen und nix wie weg… Das war kein schönes und mit Abstand mein schlechtestes Manöver auf welches ich nicht sehr stolz bin. Aber Abraxas schwimmt noch, hat ein paar üble Schrammen, einen kleinen Riss am Skeg und macht etwas Wasser, das Ruder leicht verbogen aber nicht wie befürchtet halbiert oder weg, sie segelt nach wie vor traumhaft, sogar mit Windpilot und unser Schutzengel muß definitiv buddhamässig fett sein… Nur muss ich das leider irgendwann hier in einer der teuren Werften reparieren, aber das werde ich mit Freude und Dankbarkeit tun weil ich noch ein Boot habe… und was für eins! Andere haben nicht so viel Glück, bzw. nicht so stabile Boote, danke Abraxas, wir segeln noch weiter…

Und obwohl ich ein paar Tage wie Jona es ausdrückte etwas bedröppelt war, hatten wir dann trotzdem eine tolle Zeit auf Tahanea mit dem üblichen Tuamotuprogramm wie Passschnorcheln, Fische grillen, Kokosnüsse jagen, Palmherzen brechen und Haie, Korallen, Kokoskrabben und bunte Fische glotzen… Und dann kam „Goti“, drei junge Freaks aus Norwegen in einer Albin Vega27, die sich sofort zu Inti und Abraxas an den Anker gesellten und sich freuten endlich mal „normale“ Boote zu treffen. Goti segelt natürlich jetzt auch unter der Fahne Alekistans, sowie alle Freakboats die ich bisher getroffen habe wie Inti, Haka Tere, Masquenada, Pirlouit, Robusta, Liebelei… Michel, langsam gehen mir die Wimpel aus:-(

Von Tahanea ging es dann in einem Tagestörn bei herrlichem Rückenwind die 50 Meilen nach Faaite, und wieder erwartet uns heftige Gegenströmung im Pass zum Atoll obwohl wir doch so viel gerechnet hatten. Drinnen sind die Ankerverhältnisse und das Wetter auch eher bescheiden, und so geht es nach nur zwei Nächten weiter. Auch Inti und Abraxas trennen sich nach über zwei Monaten und segeln in verschiedene Richtungen. Für uns geht es direkt die 250 Meilen nach Tahiti, wo wir nach 54 Stunden erstmal in der chicen Papeete Marina festmachen. Inti segelt nach Fakarava und weiter in die Tuamotus, was ich nur zu gut verstehen kann, aber wir treffen uns wieder. Doch auch die laute, teure und stinkige Zivilisation ist nach so viel Insel, Meer und Kokosnuss aufregend, vorallem ist hier der Flughafen wo Helena bald landet und ich bin trotz fast Schiffbruch pünktlich, immerhin… und mach dir keine Sorgen Helena, das bisschen Wasser im Boot macht uns nix aus und Abraxas ist fit genug für unseren Bora Bora Champagnertörn, Life is good und die Werft muss warten…

Beachlife in Makemo

Immer neugierig die lustigen Haie
Goti kommt an, echte Helden der Seefahrt
Mit Ulf,Chris und Andreas aus Norwegen in Tahanea
Cyclonproof house on Faaite
Der neue Cockpit Tisch auf Abraxas wird eingeweiht

12 Responses

  1. INTI

    Hey Capitan Solitario, wir schicken ganz viele Grüße und Küsse aus Fakarava! Wir denken an Dich- bis ganz bald, Deine Intis

  2. tripulante

    ZUm Glück habe ich genug Wimpel machen lassen. Sind noch welche da!

  3. Helena

    Ahoi Crashkäptn, ich werde das Geschehene nicht kommentieren, außer dass ich mein Spendenabo erhöhe, weil Deine Geschichten immer wilder und aufregender werden..puh…Dass Du anscheinend aus Deinem Kajütenboden nun endlich so einen geilen Kniffeltisch gebaut hast, ist prima!

    • Stefan Blasberg

      Genau, meine Bodenbretter brauche ich jetzt nicht mehr, die schwimmen eh nur blöd durch die Kajüte, da ist ein Kniffeltisch schon besser, vorallem weil man im Cockpit trockene Füße hat :-)… Und Michel, das wäre ja ganz prima wenn du einfach schnell mal ein paar mehr Alekistanfahnen vorbei bringen könntest, den Flug zahlt doch bestimmt unsere Botschaft, oder?

      • tripulante

        Lieber Stepke, der Kuschelkäptn und ich sind ab Morgen auf der Aurora. Vielleicht reicht die Zeit, um kurz mal vorbei zu schauen ;-))

  4. Leo

    Hallo Stepke,
    Vielen dank fuhr die tollen fotos, viel spass ihr beiden und gute Reparaturen !
    LG aus Milina

  5. Tschulaila

    Helena und dir viel Spaß im Paradies, abraxas gute Besserung, und bitte den schutzengelbuddha weiterhin gut versorgen und pflegen…! Der macht ja anscheinend einen guten Job…

  6. Schön zu hören, dass du gut auf Tahiti gelandet bist, wenn auch etwas angeschraddelt und ich wünsch euch viel Spass auf der Champagnerfahrt.

  7. Aleko

    Grüße auch von Beduin, glimpflich Europa angelandet dafür aber Kulturschock erlitten. Deshalb geht’s gleich wieder auf See, vielleicht ist ja Sardinien etwas beschaulicher…

    • Stefan Blasberg

      Schön zu hören das Beduin so flott vorankommt auf ihrem Heimweg nach Alekistan, wäre aber interessant zu wissen wo ihr seid… viel Glück für die letzten Meilen und grüß mir Hellas wenn du da bist… Helena ist gut auf Abraxas angekommen und wir genießen Tahiti und segeln die Tage erstmal nach Moorea rüber…dann mal sehen wie es weitergeht… grüße aus dem Paradies

  8. Busso und Marga

    Hallo Stepke, wir haben Dich nicht vergessen. Paß jetzt aber bitte besser auf. Liebe Grüße – z.Zt. wieder vom Pilion – Busso und Marga

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