Sistas sailing (von Anja)

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Bad im Regen
Abschied von Taravao
Badezimmer Tahiti
Geburtstag in der Segelschule
Claudi on the Dancefloor
Never ever sauf and drive!
Erfolgreiche Jagd

In der Kirche auf Moorea
Unterwegs rund Moorea

Anja im Glück
Life is better in Tahiti

Wer hat schon einen Bruder, der um über die Weltmeere segelt?

Ich bin schon ein unverschämter Glückspilz!

Seit zwei Wochen bin ich die „Crew“ auf Abraxas – dem schönsten Schiff der Welt….

Schon am Flughafen wird mir klar, dass ich hier richtig bin – kaum ausgestiegen,  betört mich ein unbeschreiblicher Blumenduft – jeder ! Flieger, der auf Tahiti landet, wird von einer bumengeschmückten Band mit fröhlicher, polynesischer Musik begrüßt. Eine erste Ahnung vom Paradies!

Als Stepke und Karo, die mich am Flughafen abholen,  mich beide mit einer Blumenkette schmücken,  rieche ich nicht mehr nach 27 Std. Flug und fühle mich sofort als Südsee-Königin. Perfekter Empfang!

Mitten in der Nacht kamen wir in der Marina in Taravao an,  in der Abraxas seit 3 Monaten liegt und ungeduldig auf’s weitersegeln wartet. Am nächsten Tag werde ich erstmal in der Marina rum geführt,  lerne abenteuerliche Segler mit ihren wilden Geschichten kennen… Daphne und Rainer, ein Paar Mitte 70, die in ihrem selbstgebautem Boot „Lojan“ seit über 20 Jahren um die Welt segeln…. Claudi und Jona auf „Inti“,  ein schuffeliges Paar aus Berlin – Stepke’s Freunde seit den Osterinseln, geben mir das Gefühl,  uns schon lange zu kennen….

Das Marina-Leben erinnert mich an ein kleines Dorf, die meisten kennen sich – in irgendeinem Cockpit gibt’s immer Kaffee,  jeder ist willkommen,  egal, wie wenig Platz auch ist.

Sie kommen von überall her und segeln überall hin – in kleinen Schiffen über die Meere – es findet sich immer eine gemeinsame Sprache.  Die Freundschaft unter Yachtenseglern ist intensiv und aufrichtig – grenzenlos ihre Hilfsbereitschaft.

Immer wieder treffen sie sich in Häfen und Marinas zum Gedankenaustausch und zu Reparaturarbeiten.  Den geselligen Tagen an Land folgen einsame Tage, oft Wochen auf See – ringsherum endloses Blau – ein Alltag in ständiger Bewegung.

Ich bewundere die Menschen,  die den Mut haben,  einen Schlußstrich zu ziehen und ein neues Leben anzufangen,  jenseits von Zeitgetriebe,  Massenpsychose und Statussymbolen.

Im brackigen Marinawasser möchte man nicht baden gehen…dafür lädt uns Karo, eine Freundin von Stepke,  die hier seit 16 Jahren lebt, zur Pool-Party ein. Himmlisch! Im kühlen Nass planschen bis die Sonne versinkt. Abends werden wir noch königlich bewirtet – Fisch und Champagner!  Ein perfekter Tag!

Würden wir alle Einladungen annehmen, hätten wir hier 4 Wochen abwechslungsreiches Programm…. eine unbeschreibliche Gastfreundschaft !

Erstmal starten wir mit dem Auto zu einer Inseltour,  umrunden Tahiti Nui komplett, und werfen einen Blick auf die kleine Schwester Tahiti Iti. Die Vegetation ist atemberaubend,  Dschungel überall, alles wächst im Überfluss am Straßenrand, Mangos,  Papayas, Avocados, …und unzählige Früchte, die ich noch nie gesehen habe….das Blumenmeer verbreitet seinen Duft über die ganze Insel. Ich muss mich zwicken,  um sicher zu gehen, dass ich nicht träume.  Die gnadenlose Schönheit Tahiti’s erklärt sicher die Unbeschwertheit der Einheimischen,  verkniffene Gesichter sehe ich nicht, jeder grüßt,  alle lächeln – die Zufriedenheit wohnt  in Polynesien.

Meine unfreiwillige Pazifiktaufe darf ich an einem wunderschönen Strand mit Wellenreitern erleben. Ich stehe im schicken Kleidchen knöcheltief im Meer und pose für ein cooles Strandfoto, als mir eine riesige Welle die Füße wegreisst,  mich mit Haut und Haaren verschlingt und versucht mich mit aller Kraft in die weiten des Ozean’s zu zerren. Respekt Pazifik!     Wäre vermutlich das lustigere Foto geworden,  glücklicherweise hat’s der Bruder vorgezogen,  mich zu retten,  anstatt zu knipsen.  Habe mir bei der Aktion leider einen Zeh gebrochen….humpelnd folge ich dem Käpt’n zu grandiosen Wasserfällen und Grotten. Zu Hause hat Stepke den Zeh astrein getapt,  so daß ich schon wieder prima unterwegs bin.

Am 1.März ist Käptn’s Geburtstag und Vollmond.  Wir feiern ausgelassen in der Sailing school der Marina – alle Gäste hätten nicht ins Cockpit der Abraxas gepasst.  Jeder bringt was mit, super Party mit glücklichem König!

Abschied vom Marina Leben feiern wir in einer Bar in Taravao zusammen mit Claudi,  Jona,  Rick (aus Belgien) und Karo. Zur Livemusik wird wild getanzt, der Hüftschwung der Inselschönheiten ist eine Augenweide, die Tanzfläche rappelvoll.  Irgendwann überlässt der Sänger sein Mikrophon den Gästen,  es entwickelt sich eine schwindlige Karaoke,  die Musik wird immer schräger, eine Stimmung, wie im Konzert! Was für ein himmlischer Spaß!

Dann zieht es uns in endlose Blau – Abraxas ist startklar.  Als wir ausparken wollen,   läuft zwar der Motor,  macht aber keine Fahrt… Uiuiui,  ich fürchte schon das Schlimmste – aber der Käpt’n kennt sein Schiff und taucht ekelbefreit ins ölige Wasser, um den Propeller vom Muschelbewuchs zu befreien. Abraxas dankt es ihm mit super Fahrt! Ein Team, die Beiden! Alle stehen an Deck und verabschieden uns mit ohrenbetäubenden Tröten – die guten Wünsche können wir kaum hören.

Kaum haben wir 5 m Wasser unter dem Kiel,  begleitet uns eine Delphinschule , wenn das kein gutes Omen ist.

Wir ankern vor Tahiti Iti im türkisfarbenen Swimmingpool,  beim Schnorcheln begleiten mich Tiger-Rochen,  die majestätisch durch’s Meer fliegen,  Fische in den knalligsten Neonfarben,  Nemo war auch dabei. Abends hören wir von Steuerbord polynesiche Musik zu uns herüberwehen und von Backbord rauscht  die Brandung ans Korallenriff – ein Sternenhimmel,  den ich noch nie gesehen habe…es könnte nicht schöner sein!

Nach 2 Tagen geht’s weiter Richtung Süd-West-Kap von Tahiti Nui. Die knifflige Riffeinfahrt vor Baia Maraa lässt mich die Luft anhalten , aber no doubt, der Käpt’n und Abraxas schaffen das.

Wir ankern im tropischen Regen und beweisen tip top timing – plötzlich verwandelt sich das Blau in eine graue Wand – unmöglich hätten wir das Nadelöhr-Riff so passieren können.

Next stopp Moorea,  wir sind ungefähr auf halber Strecke,  als Tahiti in einer dunklen Gewitterfront verschwindet. Als einziger Blitzableiter möchte man nicht auf dem Meer sein…wir geben Gas, 5 Knoten schafft Abraxas bei den gegebenen Wetterbedingungen.Das  Gewitter beschleunigt auch und ist schon vor uns auf Moorea angekommen.  Sista’s raffiniert,  drosseln das Tempo auf Minimum, kriegen zwar eine fette Dusche ab, aber als wir in Haapiti ankern ist der Himmel schon wieder blau! Yeah! Alles richtig gemacht!

Das Türkis des Wassers hat eine Intensität,  dass ich eine geheime Lichtquelle vermute, ich kann aber keine finden…. Stepke empfiehlt mir, Ruhe zu bewahren,  wenn mir Haie begegnen und lacht sich schief, weil ich kehrt mache, sobald das Wasser tief wird, ja schließlich plansche ich hier nicht im Wannsee!!!

Mit dem SUP-Bord am Korallenriff entlangpaddeln – ich kann mich nicht satt sehen an der verzauberten Welt unter meinen Füßen, und nachts in meiner Koje sanft in den Schlaf geschaukelt zu werden – besser kann man seine Batterien nicht aufladen.

Obst wird knapp und wir brechen auf zur Jagd.  Nach einigen Stunden Dschungelwanderung ist das Dingi „Royal Helena“ voll mit Bananen, Sternfrucht, Papayas,  Maracujas und Brotfrucht. Guter Fang!

Zum Glück kann der Bruder auch klettern,  denn Kokosnüsse hat die Südsee-Königin auch gebucht.

Die Abraxas Küche bekommt von mir mindestens 5 ☆☆☆☆☆, der Käpt’n bekocht mich königlich, ich darf höchstens mal Gemüse schnippeln.  Und niemals fehlt der Sundowner!  Juhu! Uuuuuuuuurlaub!

Sonntag in Haapiti wird um 6 Uhr aufgestanden,  weil wir in die Kirche wollen, die Eglise de la Sainte Famille (katholisch) ist unserem Ankerplatz am nächsten und wunderschön obendrein. Alle sind schick gemacht , aber barfuß und in Surferhosen ist man ebensogerne gesehen.  Wir werden  als einzige Blondschöpfe sofort integriert,  als wären wir schon immer hier. Alle Plätze sind besetzt.   Beim Beten halten sich alle an den Händen und überbrücken den Mittelgang  – die Hände werden zu den offenen Fenstern rausgestreckt,  um alle vor der Kirche mit einzubeziehen.  Gesungen wird auf französisch, lateinisch und polynesisch mit einer Inbrunst, die einem das Herz erweichen lässt.

Obwohl es unzählige Religionen und Kirchen in Polynesien gibt, ist es wohl letztendlich egal,  in welche man geht – ob man nun gläubig ist oder nicht…..es geht dabei um die Erkenntnis,  dass Menschen auch anders miteinander umgehen können – unvoreingenommen,  herzlich,  freundlich und offen – und dass wir dieses Erlebnis sicher nicht vergessen werden.

4 Responses

  1. Kim

    Wow, da bin ich aber baff! Hört sich mal wieder unglaublich paradiesisch an und Mum, man merkt jetzt schon den Einfluss, den Stepke, Abraxas und das Leben im Paradies auf dich haben. Einige der Sätze hättest du vor 3 Wochen so noch nicht geschrieben. Freut mich sehr das dir das Paradies so gut bekommt aber wie sollte es auch anders sein. Auch schön, dass du dennoch ganz die Alte bist und dich auf dem Geburtstagsbild breit grinsend direkt unter die Krone setzt. Dafür hat der Kapitän den Champagner abbekommen. Ist ihm wahrscheinlich sogar lieber als ne Krone.
    Dicke und sau neidische Küsse aus der verregneten Muddastadt, wo ich gerade lernend am Schreibtisch sitze. Da hören sich eure Geschichten gleich noch besser an!

  2. Steffen

    Sowas würde ich auch gerne mal erleben. Liebe Grüße und bis bald.

  3. cloudy

    liebe anja, wie schön du geschrieben hast😚 sollten wir uns jetzt nicht mehr sehen, dann auf jeden fall im herbst in big b!!! bisous

  4. Sabine

    Mensch Anja, das ist einfach so fantastisch was du erlebst! Und es auch so wunderbar beschreibst – fühle mich gerade mittendrin im Duft und in der Sonne… wie toll, dass du dorthin geflogen bist m, once in a lifetime!

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