Pto. Williams / Micalvi

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Puerto Williams 1953 als Militärbasis gegründet wurde erst 1986 für die Zivilbevölkerung geöffnet. 2300 Einwohner davon 75% Militärangehörige. Es befindet sich südlich Feuerlands auf der Insel Navarino, ein Geheimtipp für ausgedehntes Trecking mit Zelt. In den Flüssen und Seen gibt es Wildlachs und Forellen… Neben Puerto Williams gibt es noch Villa Ukkika, wohin die letzten Yamana Indianer zwangsumgesiedelt wurden, um im Schutz der Armada zu leben nachdem die letzten Missionen schlossen und sie angeblich alleine nicht mehr überlebensfähig wären. Es ging wohl eher darum zu verhindern das sie Anspruch auf ihr Land erheben. Die Kriegerischeren Selkman Indianer von Feuerland waren damals schon lange bis auf den letzten abgeschlachtet. Ich besuchte das trostlose Villa Ukkika und hatte das Glück auf die legendäre 97 jährige Christina Calderone zu treffen die letzte „Vollblut“ Yamana. Sie ist äußerst gebildet und bei vollem Verstand. Sie flechtet immer noch kleine Reetkörbe so kaufte ich ihr einen ab und gab ihr als Gastgeschenk ein kleines Olivenholz Döschen von mir, was sie sehr überraschte und freute. Als ich nach meiner Herkunft befragt Griechenland nannte, sagte sie gleich große Geschichte und der neue Name Navarino stamme von einer Griechischen Insel. Nun habe ich nicht nur die schriftliche Genehmigung der Armada hier zu Segeln, sondern bin auch von den letzten Yamana willkommen…

Villa Ukkika
Micalvi ist ein 850 Tonnen, 1925 in Deutschland gebautes Dampfschiff. Unter dem Namen Dragi, später Bostonlics transportierte es Müll auf dem Rhein. 1928 kam es mit einer Ladung Munition nach Chile und die Armada übernahm das Schiff. Bis 1975 Contramaestre Micalvi diente sie als Versorgungs- Postschiff für abgelegene Orte, Farmen und Leuchttürme. Schwer beschädigt nach einer Kollision mit einem Felsen wurde sie hier auf Grund gesetzt. Jetzt im Ruhestand dient sie als südlichster und schrägster Yachtclub. Vor ein paar Jahren wurde sie allerdings aufgerichtet, nun ist sie nur noch dezent geneigt. Auch an der legendäre Bar gibt es keine Getränke mehr, worunter die kleine Gemeinde hier immer noch leidet. Angeblich hätten Chartergäste zu wild getrunken doch mir wurde versichert das es einfach nur nicht zum Image der Armada passt eine öffentliche Bar in ihrer Obhut zu haben. (Der Yachtclub wird von ihr betrieben)
Micalvi von innen
Beduin wird dabei sein, sollte die Bar wieder eröffnet werden
Die Brücke

Gegenüber von Micalvi gibt es eine Segelschule, Geschenk eines Reichen Chilenen. Alle Kinder des Ortes dürfen hier umsonst segeln lernen. Heilig Abend durften wir in ihrem Quincho feiern, eine bunte Mischung aus Crews der in die Antarktis fahrenden Charteryachten und einer Handvoll privater.
Heiligabend in der Segelschule
Die kleinen haben oft mehr Spass als die großen
Auch die nächsten Tage wurde gut gespeist, reihum auf verschiedenen Booten auch Beduin, (bei reduzierter Zahl an Gästen). So sind neben netten Geschichten und Anekdoten auch alle nötigen Tips und Infos zur Weiterreise gesammelt.
An Micalvi liegen alle großen in die Antarktis fahrende Segelyachten: Beduin, die kleine Pelagic, Pelagic australis, Santa Maria, Solarwind, Podorange…

Das im sehr Bürokratischen Chile mein Visa seit zwei Monaten abgelaufen ist wird hier grandios gehandhabt. Eigentlich sollte der Sachbearbeiter den Fall umgehend nach Santiago melden, dort wird dann die Höhe der Geldbuße festgelegt und ob ich mir eine Verlängerung erkaufen kann oder schnellstmöglich das Land zu verlassen habe. Einerseits muss er mich melden andrerseits kann er mich nicht länger als 3 Tage am ausreisen hindern. Rückmeldungen aus Santiago dauern mindestens eine Woche. Also war ich gar nicht in seinem Büro und soll 3 Tage vor Abreise wiederkommen dann geht alles in Ordnung! Er entschuldigt sich sogar das ich deshalb ein zweites mal kommen müsse. Der fürs Zarpe (Genehmigung zum befahren der dort eingetragenen Gewässer) zuständige Militär will mich partout überreden zum Kap Horn zu segeln, wo ich doch einhand bis hierher bin, es sei ein Klacks, 3 Tage hin und zurück und Grade käme das ideale wetterfenster… Er zeigt mir den Diplom den ich kriegen würde, als ich ihn zufällig im Ort wiedertreffe werde ich seinem Freund als derjenige der hierher segelt, und nicht zu Kap Horn will vorgestellt.

So gut es mir auch hier gefällt, am 31 zigstem gibts den sehr seltenen Nordostwind der mich nach Ushuaia zu Silvester bringen wird. Und wer bis dahin bei der Baumgröße nicht mitgeraten hat ist selber schuld !

Allen einen guten Rutsch, alekistan lässts krachen, an allen enden der Welt! Grüße aus Fin del Mundo

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