Lost in Tuamotus

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Wo ist die Kokosnuss?
zum Glück ist Abraxas nicht Blau

Die Gambiers haben wir wohl genau richtig verlassen, bevor dort einen Tag später ein sogenannter „Maramu“ durchfegte, ein Sturm aus Südost mit über 50 Knoten. Auch die Boote, die auf Nordwest Kurs zu den Tuamotus unterwegs waren hat es ordentlich erwischt, aber besser auf See als am Anker. Schön war das allerdings nicht, und ich hatte das erste mal das Problem, vor dem Wind viel zu schnell zu sein, obwohl ich nur noch eine Mini-Sturmfock gesetzt hatte. Trotzdem surfte Abraxas mit 8 bis 13 Knoten die Wellen runter, und mein Ruder vom Windpilot sprang wegen des enormen Wasserdrucks dauernd aus der Führung. Beim Versuch es kopfüber festzubändseln wurde ich ruckzuck seekrank und dachte dann beim kotzen, was soll’s, Fock runter, treiben lassen und warten bis es vorbei ist… das war auch definitiv die richtige Entscheidung, denn der Sturm blies fast 30 Stunden, mit Squalls und Regen, das hätte ich an der Pinne niemals durchgestanden. Abraxas musste zwar einiges einstecken, machte aber mit belegter Pinne über 20 Seemeilen in die richtige Richtung, und ich konnte in der kuscheligen Koje bleiben, weil bei null Sicht Ausguck halten wenig Sinn macht. Nach anstrengenden 500 Meilen und 5 Nächten kam ich dann einen Tag nach den anderen Booten in Amanu an, unserem ersten Atoll, mit Pass in die Lagune und natürlich ordentlich Strömung…ziemlich aufregend, Wildwasser und stehende Wellen vor dem Pass, aber ich wollte da unbedingt rein und habe es einfach mal probiert. Nur da wurden meinem 18PS Motor schnell mal seine Grenzen gezeigt, chancenlos treibe ich wieder zurück und habe trotzdem Spaß bei dem Wildwassermanöver. Da hilft nur warten bis die Strömung kippt, aber ich habe genug zu tun bis ich es 4 Stunden später nochmal mit Erfolg versuche. An meiner Reling hängt ein ca.7Kilo Yellowfin-Tuna aus dem ich ein riesen Sushi und Filets fürs Beachbarbecue mache, welches über Funk schon mal bei den anderen angekündigt wird. Ein toller und sehr leckerer erster Abend in Amanu. Am nächsten Tag sind dann alle Yachties vom Bürgermeister ins Gemeindehaus zum Essen eingeladen, weil er sich so freut das noch nie so viele Yachten auf einmal in Amanu waren. Immerhin 10 Boote und mehr als 20 Leute genießen die unglaubliche polynesische Gastfreundschaft und bekommen von Francis, dem stolzen und erst 27 jährigen Bürgermeister das ganze Dorf gezeigt. Wir alle sind platt von soviel Herzlichkeit. Am nächsten Tag dürfen Claudia von der „Inti“ und ich noch kostenlos in seinem Büro nach Europa telefonieren, weil die einzige Telefonzelle kaputt ist. Und genauso beeindruckend wie diese entspannten und glücklichen Leute, sind auch die Ankerplätze in der Lagune vor einer filmreifen Palmenkulisse, in einem Meer, das so unverschämt hellblau leuchtet, das man unwillkürlich an Betrug und Fotoshop denken müsste, wäre man nicht selber da. Zusammen mit Inti, Pirlouit und Masquenada erkunden wir die etwa 30 Meilen große Lagune, segeln Regatten im Slalom zwischen den vielen nicht ungefährlichen Korallenriffen, die man aber glücklicherweise in der Sonne gut sieht, ankern an Traumplätzen, harpunieren Fische und grillen oft am Strand, basteln eine große Schaukel in Pirlouit’s Mast um uns mit viel Schwung und Gelächter zwischen die neugierigen Haie plumpsen zu lassen, ernten Kokosnüsse und Palmherzen und es läuft ein Wettbewerb zwischen den Booten, wer den besten Käse aus Kefir hinbekommt…ein paradiesisches Königsleben, bei dem die Zeit nur so verfliegt und man nie weiß welcher Tag gerade ist. Nach zwei Wochen in Amanu verlassen auch Inti und Abraxas als letzte dieses Traumatoll in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Für die letzten Tage legen wir uns in den kleinen Hafen vom Dorf weil wir unbedingt noch durch den Pass schnorcheln wollen. Das ist wie Kino und null anstrengend wenn die Strömung mit 5-6 Knoten in die Lagune fließt, man hüpft draußen ins Wasser und treibt unglaublich schnell durch den Pass, kuckt Mantarochen und Haien beim fressen zu, und ist wie stoned von dem Schauspiel und dem glasklaren Wasser. Dann ging es auch für uns weiter, 150 Seemeilen nach Raroia, wo vor 80 Jahren die Kontiki mit Thor Heyerdahl und seinen verrückten Kumpanen auf dem Aussenriff gestrandet ist. Abraxas hat es diesmal trotz kleinen Segeln bei strammen Ostwind recht eilig und ist nach nur 24 Stunden da, leider zu spät um noch durch den Pass zu kommen, auch zickt mein Motor. Also schmeiß ich in Lee von Raroia den Anker am Aussenriff, nur 20 Meter von den brechenden Wellen, nicht sehr entspannt aber besser als noch eine Nacht auf Drift. Am nächsten Morgen geht es zum Pass, Inti ist auch im Anmarsch und mein Motor geht nach kurzer Zeit immer aus, ich tippe auf Dieselfilter. Mit Vollzeug und super Wind segel ich gegen die Strömung bis Abraxas fast steht, dann Motor an und Daumen drücken, und mit schwankender Drehzahl kommen wir durch und segeln in die Lagune zum Ankerplatz, ein ziemlich aufregendes Manöver, aber diesmal auf Anhieb erfolgreich. Ich tausche beide Dieselfilter und finde den Fehler in der von Wespen verstopften Tankbelüftung. Wir treffen Pirlouit, Masquenada und Stella Polaris wieder, segeln zum Kontiki Denkmal, finden bei Regis im kleinen Laden sogar kaltes Bier und versacken bei ihm und seinen Kumpels am Strand bei lustigen und lauten Trommelsessions. Die Fischer nehmen uns nachts mit aufs Aussenriff und tags mit ihrem Boot zum harpunieren im Pass. Ein unvergessliches Erlebnis mit Delfinen und sehr vielen Haien, die die geschossenen Fische blitzschnell von der Harpune beißen wenn man sie nicht schnell genug an der Oberfläche hat. So vergehen auch in Raroia schnell 2,5 Wochen, bevor Abraxas und Inti bei entspanntem Passatwind die 80 Meilen nach Makemo segeln. Unsere Infos den Pass betreffend sind leider total falsch, und wir prügeln unsere Boote gegen 5 Knoten Strom und stehende Wellen in die riesen Lagune, was einige Nerven und Diesel kostet, aber irgendwie gelingt. Hier gibt es ein etwas größeres Dorf mit Supermarkt und sogar ein wenig, dafür sehr teures Internet. Trotzdem sind auch hier alle herrlich entspannt und gastfreundlich, und wenn ich kein Rendezvous in Tahiti hätte, könnte ich ewig durch die Tuamotus tingeln. Aber in 4 Wochen kommt mich Helena auf Abraxas besuchen, worauf ich mich sehr freue, deshalb wird es hier bald weiter gehen nach Tahanea, Faaite und dann nach Tahiti um pünktlich mit Blumenketten am Flughafen zu stehen… Helena ich komme!

Inti und Abraxas in Raroia

Fenderschaukel auf Pirlouit
Claudi im Glück
Bei Regis gibt’s kaltes Hinano- yeah…
… und jede Menge Trommeln…
Inti im Pass von Makemo
In Amanu mit Pirlouit, Masquenada, Stella Polaris und Inti…
Beachparty mit viel Fisch und Kokosnüssen​

11 Responses

  1. Stefan Blasberg

    Mehr Fotos könnt ihr auf „Radio Pelicano“ kucken… Jorana

  2. Helena

    Gefällt mir alles außerordentlich gut was ich da auf den Fotos sehe, ist gebucht! Nur durch so einen Pass fahre ich auf gar keinen Fall mit, da gehe ich dann zu Fuß.

  3. Wolfgang-Volos

    was es doch (noch) für herrliche Flecken auferden gibt !
    was wird davon wohl übrig bleiben , wenn der Meeresspiegel aufgrund des Klimawandels um einiges steigt ??
    ist da wirklich nirgends Müll an den Stränden ??

  4. Rosel

    Para,para para poli orea ,.lieber Stepke.Das ist nicht zu toppen!!!filakia
    pola ,rosel

  5. tripulante

    Die schwindligen Manöver an den stehenden Wellen kann ich mir sehr gut vorstellen. Wenn ich das gewusst hätte ;-)) wär ich geblieben.

  6. Schwester Steffi

    Pahhh….kommt mir viel zu viel Hai im Text vor, bin ich garnicht neidisch, nein nein. Trotzdem liebste Grüße an den Bananendampfer!

  7. Ralf

    Ahoi Stepke! Wespen in der Tankbelüftung hab ich auch noch nicht gehört…. Aber immer wieder toll von Dir zu hören und zu lesen! Sag den beiden von der Inti mal liebe Grüße von Petra und Hannes/SY Herzdame.
    Kalo mina file mou!

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