Kreuzfahrt in Schräglage

Eingetragen bei: Auf der Reise | 9

Viel gibt’s nicht zu erzählen, manch einem wäre die Zeit wohl recht eintönig vorgenommen, doch es gab unzählige kleine Erlebnisse, Eindrücke, viel zu tun, genügend Zeit mich mit mir selbst zu beschäftigen. Sogar meine Studien über das flugverhalten fliegender Fische konnte ich fortsetzen… Diese traten diesmal in großen Schwärmen auf und waren fast ständig meine Begleiter. Manchmal fingen Seeschwalben die von Beduin aufgescheuchten im Fluge. Dazu brauchten sie nur etwas in luv vom Bug überm Wasser zu fliegen. Manchmal wurden sie von Hunderten Bonitos gejagt. Gerieten sie dabei zwischen Beduin und ihren Jägern, retteten sie sich mit Senkrechtstarts, wobei etliche es bis Masthöhe schafften und einige im Großsegel landeten.

Filetieren und diese ein paar Stunden in Zitronensaft mit etwas Soja Soße und Ingwer einlegen

Weiter ging’s nach nur einer Nacht in Paraty, gut verproviantier mit Ananassen, Maracujas, Mangos, Avocados, Limetten… Die Windvorhersage war gut, zwar etwas leichten Gegenwind die ersten Tage, doch dann ordentlicher West langsam nach Süd, Südost drehend bis Ende Vorhersage. Das sollte mich weit genug vom Kontinent entfernen um in den Wirkungsbereich des SO-Passats zu kommen.

Erst mal an Rio de Janeiro und Cabo Frio vorbei, dann aufkreuzen entlang einem schier endlosem (120 Seemeilen)Öl und Gasfeld. Nachts das orangene leuchten der unzähligen Gasfackeln, tagsüber deren Rauchsäulen. Da verbrenne auch ich eine Nacht lang Diesel als der Wind zu schwach war dem zu entkommen. Am nächsten morgen war ich vorbei und der Westwind kam pünktlich. Schnell ging’s voran, Etmale von 142, 155 und 154 Seemeilen. Als ich in den Passat komme muss ich feststellen das er aus ONO bis O bläst manchmal mit ein paar Grad südlicher als Ost. So gibt es keine Höhe zu verschenken um möglichst Östlich über den Äquator zu kommen.

Schwüle Hitze wechselt sich mit täglich 2-3 Regenschauern samt Starkwind ab. Das ein und aus Reffen habe ich aufgehört, Gustav Windpilot hat’s am liebsten mit großer Genua und einem Reff. In den um die 10 Minuten anhaltenden Starkwind Phasen lasse ich das Groß nur etwas aus. Beduin ist spitze am Wind, nur für mich ist es schon mal unbequem, kochen ist ma nchmal sowohl eine logistische wie auch Akrobatische Herausforderung. Einiges an Essen landet am Boden, doch es geht flott voran.

Die Wolkenbrüche nutze ich zum Duschen. Während einem besonders starken Regen beobachte ich einen fetten, 2.5m Thunfisch wie er ununterbrochen aus dem Wasser springt. Denke ist wohl seine Art einer erfrischenden Dusche, den der Regen ist viel kühler als die See.

Fischen klappt hervorragend, allerdings nur ein paar Stunden alle 4-5 Tage, das ist dann schon mehr als genug. Über 10kg Fisch sind schon getrocknet und gesalzen. Benutze meinen kleinsten Köderfisch, da biegt sich der Haken auf bei Fischen ab 4-6kg. So habe ich eine größere Vielfalt, bisher Doraden, Goldmakrelen, Bonitos, Palamide und einen großen Barrakuda. Ψαροταβέρνα Beduin lässt keine Wünsche offen. So gibt’s auch wieder ein paar neue Fischrezepte und wer weiß, vielleicht schreibe ich ja doch noch das Kochbuch. Außer einer Dose Erbsen und Büchsentomaten brauchte es keinerlei Dosenfutter.

Beduin eröffnete sogar ein Bed&Breakfast, mehrere Nächte schliefen Seevögel auf der Sprayhood, Solarpaneel und am Ende des Großbaums. Sie kamen nach Einbruch der Dunkelheit, kurz vor Morgengrauen pickten sie die Fliegenden Fische von Deck und verschwanden, nicht ohne vorher das Cockpit vollgeschissen zu haben. Als es auch nachts Regenböen und viel Gischt gibt bleiben sie fern.

Am ersten Mal, eine Stunde vor Sonnenuntergang passieren wir den Äquator. Bis 4° Nord begleitet uns der SO-Passat, immer mehr auf Süd drehend. Durch die Kalmen flutschen wir mit Südwind und einem Gewittersturm aus West. Am 4. Mai morgens auf 5° Nord bläst schon der NO Passat, allerdings gibt’s Abends noch mal einen stundenlangen Gewittersturm. Solche Regenmengen gab’s noch nicht mal annähernd im westlichen Teil der Magelanstraße. Bis zum 7. Mai bei NNO hart am Wind Kurs Cap Verden, dann dreht der Wind auf NNW. Auf Steuerbordbug nun Kurs Dakar, Cap Vert……

In einem nicht weiterempfehlenswertem Buch lese ich immer wieder den Ausdruck „die Seele baumeln lassen“. Wie soll ich mir das vorstellen? Muss ich sie aufhängen? Womit? Woran? Muss man sie immer wieder anstupsen, oder braucht’s dazu etwas Wind? Da Schaukel ich doch lieber meine Eier, im wahrsten Sinne, denn die 29 Tage auf See hatte ich außer ab und an ein T-Shirt gegen die Sonne keinerlei Kleidung nötig. 3422 Seemeilen ließ Beduin in diesem Zeitraum zwischen Brasilien und der Cap Verden Insel Boa Vista im Kielwasser.

Poseidon hat mit Aeolos Ostern gefeiert, mein halbes Schaf von Beaver Island war eine hochgelobte Abwechslung zum ewigem Lamm am Spieß. Da sich auch Götter schon mal dankbar erweisen, verschafften sie mir eine schnelle Überfahrt mit recht ruhiger See, guten Winden und einer großen Vielfalt an Fisch.

Natürlich wurden wir auch dieses Mal von Delfinen…
…Und Pilot Walen begleitet

9 Responses

  1. Schopper

    Hey Aleko,schön endlich wieder was von dir zu hören.Wollte schon losrudern.Auch der dresscode gefällt mir.Weiter so.
    Gruss
    Schopper

    • Aleko Stephan

      Kurzzeitig, mit zappelndem Barrakuda im Cockpit wünschte ich overdressed zu sein:-)

  2. Suse aus Frankreich

    Aleko, da bist du wieder auf unserer Weltseite, vielleicht schafst du es noch die fliegenden Fische zu dressieren, dass sie Beduin tracktieren ?
    Da wären aber vielleicht die Götter eifersüchtig … Gute weiterfahrt und bring ein paar Fischgerichte mit ich sorge für den Wein.

  3. Stefan Blasberg

    Tres bien Presidente, bin froh das du drüben bist und so eine schnelle Reise hattest, gut gemacht… aber jetzt sind Beduin und Abraxas echt weit auseinander, schnief! Gute Weiterreise und suerte…

  4. Wolfgang-Volos

    na Aleko , das war doch mal wieder was ! tolle Leistung ! jetzt bist du ja schon fast zuhause ! Frage vom doc : hat sich die Seekrankheit nochmal gemeldet , und wenn ja in welcher Form ??

    • Aleko Stephan

      Anscheinend hat mich die Fahrt von den Falklands nach Uruguay kuriert, seitdem nix mehr. Was nicht umbringt härtet ab.

  5. Helena

    Bravo Käptn Aleko! Wir freuen uns, dass Du gut auf den Kapverden angekommen bist! 29 Tage! 3400 sm! Wahnsinn! Wir würden gerne wissen, wie sich das anfühlt, wenn man danach das erste Mal Land betritt.. muss krass sein… Filakia pola Oskar und Helena

    • Aleko Stephan

      Obwohl Sal Rei ein kleiner Ort ist und die Autos langsam übers Kopfsteinpflaster fahren war ich in größter Gefahr überfahren zu werden. Man fühlt sich ziemlich Orientierungslos, läuft aber einfach drauf los

Hinterlasse einen Kommentar