Endstation Neukaledonien

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Inti und Abraxas in Fiji waters

Hier geht das Abenteuer und die Reise meines Lebens zu Ende und ich verkaufe schweren Herzens meine treue Abraxas. Auch wenn es natürlich nicht leicht fällt nach 11 Jahren und über 30000 zusammen zurückgelegten Seemeilen, hätte es trotzdem kaum besser laufen können, für uns beide! Für Abraxas, weil sie hier in einem tropischen Traumrevier zu ihrem 50sten zusammen mit Eric, ihrem neuen Eigner in Rente gehen kann, und vor deren Haus einen privaten Anlegeplatz am Schwimmsteg bekommt. Und für mich, weil ich mir die letzten 800 Meilen Pazifik nach Australien und die dortige, teure Einreise sparen kann. Auch wären für diese Etappe wieder ein Haufen Reparaturen fällig gewesen, vorallem Dank dem garstigen Ritt hierher, mal wieder Segel nähen und Windpilot reparieren. Aber die größte Sorge aller Segler ist die extrem strenge Biosecurity in Australien, wehe dem Boot welches irgendein Getier ins Land bringt. Vorallem Termiten, Ameisen und sonstiges Krabbelgetier ist dort äußerst unerwünscht, dafür werden extra trainierte Hunde, wie sonst für Drogen eingesetzt. Tja, und auf Abraxas haben sich leider seit Tahiti diese flinken Krabbelkäfer eingenistet, die ich trotz stetigem Kampf nicht mehr los werde. Anja und Steffen durften diese posierlichen Kerlchen noch kennen lernen, ich habe sie nach langem Zusammenleben an Bord freundschaftlich Fastfoot genannt, obwohl ich sie überhaupt nicht leiden kann und schon Unmengen von ihnen gemeuchelt habe. Und ich dachte immer, bis Australien werde ich die schon wieder los, aber denkste! Trotz Boot leer räumen, alles mit Gift aussprühen und Massenmord sind die Fastfoots fröhlich unterwegs als wäre nichts gewesen, würde echt gerne wissen wo die wohnen und sich verstecken… mit denen hätte ich wahrscheinlich schlechte Karten gehabt in Australien, aber jetzt dürfen sie meinetwegen an Bord bleiben und ich verkaufe sie einfach mit, es heißt doch so schön beim Bootsverkauf „mit Pött und Pann und Krabbeltier“ …

Als ich hier in Noumea einlief war scheussliches Wetter und der Hafen von Port Moselle, wo man zum einklarieren rein sollte, voll belegt. Vor dem Hafen liegen hunderte Boote an Mourings und da ist nicht viel Platz zum ankern dazwischen. Aber mit der kleinen Abraxas findet man fast immer einen schwindligen Platz, also bin ich durch das ganze Mouringfeld Slalom gefahren bis ich ganz nah an Land einen Platz fand der mir geeignet schien, notfalls mit Landleine. Und genau da wo mein Anker fiel sah ich eine halb versunkene Mouring in fünf Meter Tiefe. Die hab ich gleich inspiziert, für gut befunden und eine dicke Leine festgemacht. Und seit fünf Wochen liege ich da umsonst und niemand macht mir diesen super Platz streitig, ganz nah am Hafen und an einem Strand an dem viele obdachlose Kanaken wohnen. Denen schenke ich fast täglich irgendwas das auf Abraxas übrig ist, Schuhe, Decken und Klamotten, dafür wurde ich schon zum Grillen am Strand eingeladen, und ich bin der einzige der sein Beiboot nicht anketten muss, das klaut da sicher keiner… Da ist das bleiben hier nicht ganz so teuer, und ich dachte schon das ich Abraxas ja jetzt sogar mit „meiner“ Mouring verkaufen könnte, mit Pött und Pann und Krabbeltier und Mouring….

Und obwohl ich sofort einen Käufer gefunden habe, bin ich trotzdem fast an der hiesigen Bürokratie und der unverschämten Einfuhrsteuer von 32% verzweifelt. Dann kam auch noch Jo aus England, ein nettes, junges Mädchen mit ihrem Freund Michael, die auf ihrem 100 Jahre altem Holzboot hier ankamen und Abraxas kaufen wollten, damit sie nicht mehr zu zweit auf dem 17 Meter Boot segeln müssen, sondern beide einhand nach Neuseeland… Sachen gibt’s! Aber das war mir dann doch etwas unheimlich und ich entschied mich lieber für Einfuhr, Zoll und Bürokratie. Dafür wurde ich für eine Woche auf der Werft angeheuert um ihnen bei Pantagruel, ihrem Holzboot zu helfen, auch gut. Mit Eric und seiner Familie ging es dann dauernd zum Probesegeln in dem riesigen, wunderschönen Riff Gebiet. Und nicht nur um ihnen Abraxas zu erklären, sondern auch weil wir uns super verstehen, sie das Riff und die schönsten Plätze seit ihrer Kindheit kennen, immer lecker Picknick dabei haben und ich auch um jeden Tag froh bin, den ich noch auf Abraxas in diesem Traumrevier segeln kann. Es wimmelt hier von Schildkröten und von Seekühen, die ich zum ersten Mal sehen durfte, die aber leider zu scheu zum fotografieren sind. Lustig ist aber, das Abraxas‘ Name „Seekuh“ war, als ich sie vor 12 Jahren kaufte, und jetzt bleibt sie hier wo diese weichen Tiere wirklich leben, schön, da schließt sich ein Kreis…

In Noumea, der Hauptstadt Neukaledoniens und dem wohl teuerstem Flecken im Südpazifik gefällt es mir überhaupt nicht. Die Stadt ist hässlich, es gibt gefühlt mehr Autos als in Deutschland und die Preise können eigentlich nur aus Disneyland sein. Da wundert es einen nicht, das die Kanaken, die eigentlich hier einheimische Bevölkerung nicht zufrieden sind und gerne die Unabhängigkeit hätten, wie nebenan in Vanuatu. Letzes Wochenende gab es dazu eine Wahl, vor der die hier lebenden Franzosen große Angst hatten, obwohl mir alle versicherten das mindestens 90% gegen die Unabhängigkeit stimmen werden. Tja, es waren dann doch nur 54% und 45% waren für die Unabhängigkeit, dafür gab es ordentlich Krawall und es brannten einige Autos, fast wie 1. Mai in Berlin… Und obwohl ich natürlich mit all dem nichts zu tun habe, wurde ich doch schon von mehreren hier lebenden Franzosen dazu aufgefordert, bitte meine Fahne im Mast von Abraxas gegen eine französische auszutauschen, weil die Flagge Neukaledoniens eine Revoluzzerfahne ist und für die Unabhängigkeitsbewegung steht.

Seltene Begegnung auf hoher See im
Ankunft in Neukaledonien bei Vollmond und Sonnenaufgang, perfektes Timing!
Angeber oder Fakeship?
Jaaa, mit 7 Knoten nach Noumea und nach 7 Tagen endlich wieder hinterm Riff

alter und neuer Eigner , Eric, Ex Pilot aus Vanuatu

Arbeit auf der Werft an der 100 Jahre alten Pantagruel
Die glücklichen neuen Eigner beim Probesegeln mit Abraxas

Die Flagge bleibt natürlich oben und wird wie das Krabbeltier mitverkauft… Mit Pött und Pann, Krabbeltier, Mouring und Revolution, wenn schon, denn schon

8 Responses

  1. Helena

    Die ehemalige Seekuh geht in Rente wo ihre Namensgenossinnen und die Kanaken leben, besser gehts doch gar nicht! Hoffentlich ist das bei mir auch mal so, dass ich bei meinen Namensgenossinen den Ruhestand verbringen darf 🙂

  2. Tschulaila

    Jetzt ist mir etwas schwer ums Herz. Abschied ist nicht einfach. Grüß mir die seekühe, oberhalb und unterhalb der wasseroberfläche. Und immer dieser fahnenstress, den suchst du doch

  3. Boudewijn Esser

    Dear Stepke. After a long radio-silence we did receive your horrible message. Our favorite site will end. Really? We where so glad you made this trip, so we did not have to do it our self to get all those impressions. We followed you from a comfortable coach without storms, damage to our boat and the need to do a lot of repairs. Thank you for doing this all for us.
    By the way, we suppose you can not stay too long ashore anymore. We know a very good boat for you. Including a vane steering.
    Your followers Boud and Juju

  4. Stefan Blasberg

    Hey Boud and Juju, so nice to hear from you after long time! And yes, it’s a bit sad that my trip and alekistan will end here, but anyway it went much further than I hoped at the outset and it’s still the adventure of my life…
    And I definitely will need a new boat as soon as I earned some money, to do it may be all again… Do you still have your melody? Many greetings from New Caledonia

  5. Boudewijn Esser

    Write your book and you can easily buy the melody. Yes it is still ours.

    Boud and Juju

    PS.
    don’t tell Juju but i am glad it is not sold yet.
    Boud

  6. Julie & Tony

    Dearest Stepke, what an amazing adventure you have lived through, Tony and I have followed you all the way with admiration. Abraxas has cared for and served you well, it will be a very sad day to say goodbye. What will you do now? How will you be able to stand still on dry land? Remember, if you find yourself in the UK, you are more than welcome to visit us.

  7. Uwe

    Lieber Stepke,

    ich habe Euren Blog in den letzten Jahren immer wieder regelmäßig besucht: so tolle Geschichten und so schöne Bilder! Vielen Dank, dass ihr Euer Abenteuer geteilt habt und ich vom warmen FFB oder vom warmen Pilion aus „dabei sein“ konnte. Schade, dass es endet, aber spannend, was kommt … Alles Gute!

  8. Josef Ametsbichler

    Lieber Stepke, ja, alles geht irgendwann zu Ende. Du und Aleko habt große Abenteuer hinter euch,
    habt uns mit euren Berichten viel gegeben, gezeigt, was segeln heißt, mit allen Schönheiten und auch mit allen Gefahren, denen ihr Beide meisterhaft getrotzt habt. Ich bin voller Achtung und Respekt vor eurer Leistung. Freu mich sehr auf ein Wiedersehen in Milina oder sonst wo… bis bald

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