Days like these… (von Anja)

Eingetragen bei: Auf der Reise | 7

Nach 4 Wochen verabschiede ich mich schweren Herzens vom herrlichen Abraxas-Leben und meinem Lieblings-Käpt’n.

Wir winken unserer blauen Lagune in Haapiti nach 5 Tagen – unterwegs nach Opunohu,  der gegenüberliegenden Seite von Moorea.  Hier ist deutlich mehr los, aber der schönste Ankerplatz ist unser. Kaum zu glauben,  aber sobald wir geankert haben,  dröhnt Bob Marley vom Strand zu uns herüber – ich frage den Käpt’n,  was ihn das gekostet hat…jede Menge natürlich!

Sobald wir an Land sind,  schmücke ich mich nicht zu knapp mit Blumen – nachts sammel ich Sternschnuppen,  ok.  ich habe noch keine gefangen,  aber ich bin ohnehin wunschlos glücklich.

Alles, was man nicht pflücken oder fangen kann ist hier unbezahlbar.  Am besten schmeckt’s uns sowieso,  wenn wir alles selbst gejagt haben.  Unser absolutes Lieblingessen ist Brotfrucht (französisch: fruit de Baguette) mit grünem Papayasalat,  den wir original thailändisch hinkriegen.

Wir schnorcheln nach versunkenen Tiki- Statuen, ich fürchte mich noch vor Haien und nehme mir vor mich totzustellen und die Augen zuzukneifen,  wenn mir einer begegnet.

Die wahre Mutprobe kommt am nächsten Tag, mit dem Dingi Royal Helena schippern wir zu einer Stelle, an der man mit Rochen und Haien tauchen kann. Mit Delphinen schwimmen kann jeder! „Angstbefreit“ hüpfe ich ins Meer,  zu unzähligen Haien, Stepke springt erst, als der Schwester kein Bein fehlt….ich füttere einen Rochen mit Tintenfisch und kann ihn streicheln – noch nie habe ich etwas weicheres, als den Bauch von einem Rochen gekuschelt!  Die Haie schwimmen um einen herum und beachten uns kaum. Ich bin so begeistert,  dass ich nicht aus dem Wasser will, aber der Käpt’n macht mich auf eine dunkle Wetterwolke aufmerksam,  die wir besser nicht treffen wollen.  Das erste Mal passt unser timing nicht perfekt zum Wetter.  Als wir auf unseren Ankerplatz zusteuern,  regnet es schon heftig – der Himmel und das Meer sind nicht mehr zu unterscheiden – eine graue Wand mit heftig Wind.

Plötzlich ein fürchterliches Krachen – Abraxas ist auf ein Korallenriff gelaufen.  Mir stockt der Atem. Stepke hat keine Zeit geschockt zu sein, geistesgegenwärtig befreit er Abraxas mit Hilfe einer großen Welle und Rückwärtsgang vom Riff. Abraxas schwimmt wieder,  dafür hat sich die Leine von Royal Helena, die wir im Schlepp haben,  im Propeller verfangen und ist gerissen.  Das Dingi treibt ab, Stepke springt ins Wasser schwimmt hinterher.  Käpt’n über Bord ist nicht mein Lieblingsgefühl!  Dingi eingefangen,  den Propeller von der Leine befreit, ankern wir erleichtert.  Auf das geglückte Manöver gibt’s erstmal einen Schnaps. Abraxas hat nur Kratzer.  Anschließend eine Regen-Süßwasser-Dusche und schon geht’s uns wieder prima.

Wir wandern durch Opunohu Valley,  entlang an riesigen Ananas-Plantagen, durch den Dschungel in die benachbarte Cook Bay, nach 15 km Marsch erreichen wir Abraxas pünktlich vor der nächsten Tropen-Dusche.

Nach jedem Ausflug bin ich glücklich,  wieder an Bord zurückzukehren.  Abraxas ist soooo gemütlich,  wenn’s regnet kuscheln wir uns ein und lesen. An das Bord Leben könnte ich mich gewöhnen – ich kann mir nicht vorstellen,  wie ich jemals wieder ohne Schaukeln und Geplätscher einschlafen soll.

Man stellt sich das Segler Leben himmlisch vor, immer die Nase im Wind und vom endlosen Blau umgeben.  Die Herausforderungen,  die dieses Leben mit sich bringt, sehe ich jetzt bewusster.  Kilometer-Märsche zum nächsten Supermarkt, nur einkaufen,  was man auch schleppen kann. Mit dem SUP-Bord zum Wasserholen – vier 8-Liter-Kanister an Land schaffen, zur Quelle laufen, gefüllt wieder zurück paddeln ( oft bei Wind und Wellen) und das so lange, bis der 200 Liter Tank gefüllt ist. Das gibt Muckis!  Sprachliche Beweglichkeit ist auch gefragt.

Nicht zu vergessen,  dass Familie und Freunde immer weit weg sind…  Aber es bleibt der Traum von fernen Küsten,  der niemals untergeht und Menschen Segel setzen lässt. Und natürlich dieses andere,  einfache Leben bei dem es nur um wesentliches geht und für das man ein paar Kompromisse eingehen muß.

Unsere Überfahrt von Moorea nach Papeete empfinde ich als stürmisch mit gefühlten Riesen Wellen,  der Käpt’n sagt: prima  Segelwind mit den dazu passenden Wellen.  Ok.

Nichts desto trotz bekomme ich sofortiges Rumhüpfe-Verbot und darf nur noch im Cockpit sitzen. Als Stepke die Navigation checkt übernehme ich die Pinne und versuche krampfhaft Kurs zu halten, trotz der Mega Wellen.  Eine unverhoffte Kraft reißt mir die Pinne aus der Hand und Abraxas wendet, ohne dass ich etwas ändern kann. Der Käpt’n schimpft auf polynesische Art, sehr liebevoll und bringt sein Schiff wieder auf Kurs. Wie hat er das bisher nur ohne mich geschafft?

Nach 5 Stunden erreichen wir salzverkrustet und erschöpft Tahiti/Papeete,  als wir an Land gehen fühlen wir den Seegang noch in unseren schwankenden Beinen. Bewiesen ist jedenfalls, dass  Käptn’s Schwester Seebeine hat !

Wir kommen natürlich pünktlich zum „black Monday“ an (Bier zum halben Preis im 3 Brasseur – DER Bar in Papeete), welchen wir keinesfalls verpassen wollen. Karo und Rick erwarten uns schon, endlich lerne ich auch Gaspar kennen,  Stepke’s Bro seit Uruguay, zusammen mit seiner Frau Emilia und Oliva, ihre knapp 2 jährige Tochter.  Eine glückliche Familie,  mit tiefenentspanntem Kind, welches nix anderes kennt,  als das Leben an Bord – so kann Familie also auch funktionieren…Gaspar’s Schwiegereltern aus Argentinien sind mit dabei, wir haben einen königlichen Spaß zusammen und ab jetzt sind Stepke und ich jederzeit in Argentinien willkommen.

Am letzten Tag kann ich mich zum Glück von den INTI’s Claudi und Jona verabschieden,  die uns in Berlin besuchen kommen.

Ich liege auf Abraxas in der Hängematte,  die Wellen schaukeln mich, der Himmel hat sich nochmal extra hübsch gemacht und präsentiert seine skurrilen Wolkenformationen in den unglaublichsten Farben.  Ich verabschiede mich von Tahiti – hoffentlich nicht für immer…

…and my mama told me, there will be days like these… (Van Morrison)

Anja rockt das SUP
Endlich Haie!

Besuch bei Tahitisails, Gigom und Sebastian verstehen ihr Handwerk
Klassische Südsee Königin
Gaspar, Oliva und Aturo im 3brasseur, Papeete…
…und Emilia mit dem Käpt’n

Anja jagt den Rochen
Spontane Strandparty mit den Locals von Moorea

 

7 Responses

  1. Stefan Blasberg

    Schwesterherz! Sei nicht traurig und komm gut nach Hause…es war großartig mit Dir an Bord, Danke für die super Zeit… Habe auf dem Heimweg vom Airport noch ein feines Fruite de Baguette gepflückt:-)

  2. Reni und Gert

    Super Beitrag und traumhafte Bilder, geliebtes Töchterchen, aber so schnell können 4 Wochen rum sein. Aber davon kannst Du ja noch ganz, ganz lange zehren und das kann Dir auch keinener mehr weg nehmen. Jetzt komm gut an und geniesse wieder Deine family und die Berliner Currywurst. Ich liebe Dich Dein Dad

  3. Tschulaila

    Liebste Anja, wie spannend, dein Bericht… Das hast du dir verdient, diese Reise, dieses Abenteuer. Leb dich wieder gut ein in Berlin, auf hoffentlich bald!

  4. Helena

    Jorana schöne Südseekönigin , wüsste ich es nicht besser würde ich meinen Du übertreibst:)…aber genau so traumhaft ist es und Du hast es sooooo wunderbar und anschaulich beschrieben! Da bin ich gleich auch wieder in Gedanken im Paradies und kann es kaum erwarten endlich in den Vorruhestand zu gehen, um meinen TO Stützpunkt zu eröffnen.
    P.S. bitte nix dem Bruder verraten..:)

  5. sykalibu

    Na da musst du aber etwas vorsichtiger werden mit den Riffen 😉
    Hoffentlich bis Bald und Grüsse von der Kalibu

  6. Anja Sänger

    Ok. Helena, das bleibt unter uns! ♡ DANKE♡

    Hey Lieblings-Käpt’n! Habe schon Heimweh! Mein Bett schaukelt nicht mehr, es schneit… was soll ich sagen… live is better in Tahiti!
    Wie schaffst Du das nur ohne mich?
    Deine glückliche & stolze (auf Dich) Schwester knutscht da rein
    Viele Späße mit Steffen!

  7. Anika

    Einfach nur WOW! Was für atemberaubende Bilder und Geschichten! ❤️ Ich freue mich so mit dir, dass du das erleben durftest… 🙏🏻☀️ Vielen Dank für‘s Teilen. Ich war kurz mal mittendrin.. 😇

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